Welcome to the real world

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Welcome to the real world

Nun ist es tatsächlich vorbei, das süße Studentenleben. Irgendwie schneller als gedacht und noch schmerzhafter als befürchtet. Wenn jetzt morgens um halb sechs der Wecker klingelt, ist es schon eine kleine Heldentat ihn nicht wutentbrannt gegen die Wand zu werfen. Statt dessen wird schicksalsergeben der Kampf gegen den inneren Schweinehund angetreten und sich aus den Federn gequält. Nach einer Tasse stärksten Kaffees und einer Autofahrt begleitet von lauter Musik und meiner zarten Stimme, gilt es dann so freundlich wie möglich den Kollegen entgegen zu treten.

Obwohl es mir vorkommt, als wären sämtliche Erinnerungen aus dem Studium und den zahlreichen Praktika gelöscht, versuche ich so kompetent wie möglich zu wirken und dabei das Gefühl kompletter Hilf- und Ahnungslosigkeit direkt im Keim zu ersticken.

Nicht unbedingt einfach, wenn man scheinbar in Zeitlupe einen Verband an einem Fuß öffnet. Oder erfolglos das richtige Nahtmaterial sucht. Zum dritten Mal den Pfleger mit dem falschen Namen anspricht. Oder das Computerprogramm nicht öffnen kann, weil man noch keine Zugangsdaten hat – während sich um einen herum die Welt scheinbar in dreifacher Geschwindigkeit dreht und alle wahnsinnig routiniert und effizient arbeiten.

Das Ergebnis ist ein mikro-kleines Ego, ungeahnte Müdigkeit am Abend gepaart mit dem Gefühl eigentlich nichts geleistet zu haben.

Und doch gibt es immer wieder  diese kleinen Momente, die einen daran erinnern warum man das alles tut. Die nette alte Dame, die sich mit einem Lächeln für die Höflichkeit und die herzliche Hilfe bedankt. Der kleine Junge, der wegen des Kuscheltieres, dass es zur Belohnung für die Tapferkeit gibt, direkt vergisst, wie weh es gerade noch tat, als man ihm die Platzwunde nähte. Die junge Frau, die dank der richtigen Therapie zum ersten Mal seit Stunden wieder schmerzfrei Atmen kann.

Und nicht zu vergessen, die Kollegen, denen man scheinbar doch – wie auch immer – ein ganzes Stück Arbeit abgenommen hat.

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